KinderBeteiligung

Kein Zugeständnis, sondern ein Recht

Überall wo Kinder leben, spielen und lernen, können sie an Entscheidungen und deren Umsetzung beteiligt werden. Die Beteiligung von Kindern ist aber nicht nur guter Wille der Erwachsenen, sondern ein Recht der Kinder: Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention verspricht ihnen, ihre Meinung in allen sie berührenden Angelegenheiten frei zu äußern zu können und nimmt erwachsene Akteure in die Verantwortung, „die Meinung des Kindes an­gemessen und entspre­chend seinem Alter und sei­ner Rei­fe“ zu berücksichtigen. Ob in der Familie, der Kita, dem Hort, der Schule oder dem Stadtteil – überall gibt es Themen und Projekte, die vom Input der Kinder profitieren. Gleichzeitig erleben die Kinder, was zu einer gerechten Entscheidungs- und Konsensfindung dazugehört und wie wichtig es ist, die eigene Meinung zu kommunizieren und die der Mitmenschen zu schätzen. Wenn Kinder früh erfahren, mit ihren Bedürfnissen ernst genommen zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch später motiviert sind, sich am gemeinschaftlichen Geschehen zu beteiligen.

Eine neue Perspektive bringt neue Ideen

Mit Kinderaugen sieht die Welt oft ganz anders aus als aus der Perspektive Erwachsener – bunter, offener und formbarer. Es tauchen aber auch ganz andere Herausforderungen auf: Aus einer Höhe von 1,20m scheint der Blick aus manchen Fenstern unmöglich, Reihen parkender Autos werden im Straßenverkehr zu einer nicht überblickbaren Mauer – und der alte Spielplatz um die Ecke könnte langsam mal einen Umbau vertragen. Denn auch beim Blick auf die Umwelt, das Spielen und das Miteinander liefern Kinder neue und wichtige Perspektiven. Sie wissen selbst am besten, was ihnen gefällt und was nicht, wo und wie sie gerne spielen und was sie brauchen, um gut miteinander umgehen zu können. Dabei bringen sie sogar häufig schon kreative Ideen mit. Dieses Expertenwissen sollten sich Erwachsene, die mit Kindern arbeiten, Bauvorhaben planen oder Politik für junge Menschen machen, nicht entgehen lassen.

Beteiligung fängt im Kopf an

Der erste Schritt in jedem Beteiligungsprojekt ist die Arbeit an der eigenen Haltung: Beteiligung erfordert Vertrauen in die Ideen und Fähigkeiten der Kinder, Offenheit gegenüber Ideen, auf die man selbst nicht unbedingt gekommen wäre, Flexibilität für den Fall, dass etwas doch anders läuft als geplant – und auch den Mut, sich einem Projekt anzunehmen, das vielleicht auch scheitern kann. Bei aller inneren Offenheit muss dennoch sowohl Erwachsenen als auch beteiligten Kindern klar sein, welche z.B. zeitlichen Rahmenbedingungen es gibt, an welcher Stelle die Kinder mitentscheiden dürfen und was unverhandelbar ist (z.B. Bau- und Brandschutzvorschriften, Hausordnung, Einrichtungsregeln oder Finanzen).

2019 führten wir einen großen Fachtag rund um das Thema Kinderbeteiligung durch. Die Dokumentation der Veranstaltung findet ihr hier.